Licht zerschneidet Lebensräume – Das AuBe Projekt im mdr Interview

Künstliches Licht in der Nacht. Bild Pixabay, freie Nutzung.

„Hell, heller, zu hell. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Flecken auf unserer Erde, die nicht durch künstliche Lichtquellen erstrahlen. Sogar im Meer ist zu viel Licht — ein echtes Problem. Licht kann nämlich Lebensräume regelrecht zerschneiden und für Tiere, ähnlich wie Zäune, Straßen oder Gebäude, ein Hindernis darstellen.“

So beginnt ein interessanter online Artikel des mdr, den Sie hier nachlesen können.

Der mdr spricht mit Dr. Franz Hölker, Kopf des AuBe Projektes (alias Tatort Straßenbeleuchtung) und Leiter der Forschungsgruppe Lichtverschmutzung und Ökophysiologie am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) über die negativen Auswirkungen von Licht auf die Umwelt. Licht stört nicht nur die Tag-Nacht Rhythmen sondern auch die Bewegungen von Wildtieren. Sie können von Lichtquellen angelockt werden und so von ihrem Weg abgebracht werden – mit teils erheblichen Folgen. So sterben Millionen Insekten im Schein von Leuchten an Erschöpfung und auch Fledermäuse und Vögel gehören zu den Opfern von zu viel Licht am falschen Ort. zur falschen Zeit.

Dr. Franz Hölker erklärt warum Licht ein Problem sein kann und welche Konsequenzen wir daraus ziehen sollten. Dabei ordnet er verständlich die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Publikation zum Thema ein, an der auch Hölker selbst beteiligt ist. Die Publikation ist in „Landscape and urban planning“ erschienen und hier frei zum Lesen und herunterladen verfügbar.

International Dark Sky Week: 22.-30. April 2022

Die International Dark-Sky Association (IDA) hat zum Ziel, Menschen weltweit zu motivieren, während der International Dark Sky Week vom 22. bis 30. April 2022 die Nacht zu entdecken. Diese jährlich stattfindende einwöchige Veranstaltung soll das Bewusstsein für die negativen Auswirkungen der Lichtverschmutzung und die vorhandenen Lösungen schärfen und gleichzeitig die Nacht feiern. Mehr Informationen und wie Sie dazu beitragen können, finden Sie hier.

Die Jagd nach der Sternendiebin

Quelle: Pixabay freie kommerzielle Nutzung ohne Bildnachweis.

Die Villa Fohrde Bildungs- und Kulturhaus e.V. in Havelsee bietet Umweltbildung für Kinder und Erwachsene, die Spaß macht. Ganz in diesem Sinne, gibt es dort nun eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Die Sternendiebin & Lichtblicke der Nachhaltigkeit“, in der Interessierte aktiv mitmachen  können.
Ein Highlight ist das zugehörige Online Escape Game Sternendiebin. Wenn Sie Spaß an Spielen haben und nebenbei noch einige spannende Dinge über das Thema Lichtverschmutzung und unseren Sternenhimmel erfahren möchten, dann probieren Sie es doch mal aus.
Die spannende Beschreibung der Villa Fohrde zum Spiel:

„Die drei Held:innen unseres Spiels gehen kreative Wege, nicht immer ganz legal und doch halten sie am Ende ein Umweltverbrechen auf. Kreative Wege sind auch nötig, um diese Welt zukunftsfähig zu machen. Wir meinen hiermit nicht das plumpe Versprechen einer grünen Technologie, die alle Probleme löst. Es wird eine Transformation der Gesellschaft und Wirtschaftsweise brauchen […].“

Sie wollen wissen, wie es weiter geht? Finden Sie es heraus!
Hier geht’s direkt zum Spiel.

„Lichtverschmutzung – Wie Tiere unter hellen Nächten leiden“ ein Beitrag in SWR2 WISSEN von Julia Beißwenger

Alchemist HP: Nächtlicher Insektenflug vor Scheinwerfer

In diesem SWR2 WISSEN-Beitrag wird über die oft dramatischen Folgen der Lichtverschmutzung auf verschiedene Tiergruppen wie Fledermäuse, Insekten, Zooplankton, Vögel, Amphibien und Mäuse berichtet. Wissenschaftler*innen wie Christian Voigt (Leibniz-IZW), Stella Berger und Franz Hölker (Leibniz-IGB) berichten aus ihrer Forschung und plädieren für einen verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Beleuchtung.

Hier geht’s zum Beitrag.

…der SWR2 schreibt dazu: „Nicht nur Menschen leiden unter den Folgen der zunehmenden Beleuchtung unserer Nächte. Für Tiere ist Licht oft sogar eine tödliche Gefahr. Milliarden Insekten sterben an Lampen, Vögel fliegen große Umwege, um die Lichtglocke einer Stadt zu meiden, Fledermäuse verlieren die Orientierung und auch in Seen leiden die Fische.

Inzwischen leuchten unsere Städte zum Teil viertausendmal heller als das natürliche Nachtlicht. Da die Lichtverschmutzung die Ökosysteme beeinflusst, fordern Wissenschaftler, mit Licht klüger umzugehen.“

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung. Alles Gute vom gesamten Team des Projektes Tatort Straßenbeleuchtung!

…fast zu spät, aber auch schön zum Nachblättern:

Hier finden Sie einen Weltraum-Adventskalender der Riffreporter.

Hier finden Sie einen schönen und informativen Adventskalender zu Bestäubern von Naturblick, Museum für Naturkunde.

Mehr Licht – die Tücken des Lichts als Thema im WWF Podcast ‚ÜberLeben‘

Pixabay License, freie kommerzielle Nutzung: links, mitte, rechts.

„„Mehr Licht!“ Das waren 1832 angeblich die letzten Worte von Johann Wolfgang von Goethe. Angesichts des trüben Wetters in der dunklen Jahreszeit möchte man sich der Forderung des Dichterfürsten durchaus anschließen. Doch wo Licht ist, ist eben auch Schatten. Wir reden heute in #ÜberLeben mit Frauen, die sich auskennen mit Licht. […]“

So präsentiert sich die Folge zum Thema Licht und dessen Auswirkungen in der neuen Ausgabe des WWF Podcasts. Im Beitrag geht es – passend zur Jahreszeit – um Weihnachtsbeleuchtung, Kerzen aber auch um LEDs und Lichtverschmutzung.

Der „ÜberLeben“ Podcast widmet sich Natur- und Umweltschutz im 21. Jahrhundert. Angesichts von Artensterben, Umweltzerstörung und Klimawandel geht er der Frage nach, wie es gelingen kann, einen lebendigen Planeten für heutige und kommende Generationen zu bewahren. Dabei kommen Experten und Expertinnen verschiedenster Disziplinen zu Wort, um über die Probleme aber auch über Chancen und Lösungsansätze zu sprechen.

Wenn Sie also wissen wollen, welche Auswirkungen Ihre Weihnachtslichter oder Gartenbeleuchtung möglicherweise haben und was Sie selbst für eine umweltfreundlichere Gestaltung tun können, worauf Sie beim Kerzenkauf achten sollen oder was ein „Staubsaugeffekt“ ist, hören Sie doch mal rein:
Hier geht’s zum Podcast.

Sternenparks – Sehnsuchtsorte für Hobbyastronomen und Sternengucker

Pixabay License, freie kommerzielle Nutzung, https://pixabay.com/

In Deutschland gibt es bislang vier ausgewiesene Sternenparks. Ähnlich dem Konzept der Nationalparke zum Schutz von Tier- und Pflanzenarten sowie Ökosystemen, sind Sternenparks Orte, die sich für den Schutz der natürlichen Dunkelheit durch den maßvollen Einsatz von künstlichem Licht einsetzen.

Deutschlands erster Sternenpark wurde 2014 ernannt, sein Gebiet umfasst den  Naturpark Westhavelland in Brandenburg, sowie die Gemeinde Schollene in Sachsen-Anhalt. Dort finden auch wichtige Freilandarbeiten für das Projekt Tatort Straßenbeleuchtung statt. Stand heute hat die International Dark Sky Association (IDA) drei weitere Sternenparks international anerkannt, den Sternenpark Nationalpark Eifel, den Sternenpark Winklmoos-Alm in den Chiemgauer Alpen sowie den Sternenpark Rhön, mit Fulda als erster Sternenstadt des Landes.

An diesen Orten lässt sich der natürliche Sternenhimmel besonders gut beobachten. Bis zu 6000 Sterne lassen sich entdecken und dazu in Sommer und Herbst das sternendurchsetzte, weiße Band der Milchstraße. Ziel der Sternenparks ist, unter anderem, diesen fantastischen Anblick als ältestes Kulturgut der Menschheit zu erhalten. Darüber hinaus geht es um den Schutz von Pflanzen- und Tierwelt, einen nachhaltigeren Umgang mit Energie, das menschliche Wohlbefinden sowie Information zur Problematik der Lichtverschmutzung.

Packen Sie also warme Kleidung und am besten auch ein Fernglas ein und werfen Sie selbst einen Blick in unendliche Weiten.

Insektensterben und Lichtverschmutzung – Thema im querFELDein-Podcast

Foto: IGB, GK

Die Online-Wissensthek „querFELDein“ bietet Fakten, Nachrichten und interessante Beiträge rund um das Thema Landwirtschaft der Zukunft. Folge 8 des querFELDein-Podcasts widmet sich den Themen Insektensterben und Lichtverschmutzung.

Dr. Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) erklärt als Gast des Podcasts was Lichtverschmutzung eigentlich genau bedeutet und warum Lichtverschmutzung ein ökologisch relevantes und brisantes Thema ist.

Die Zuhörer erfahren, dass nicht nur die Lichtintensität sondern auch die Lichtfarbe und die Abschirmung von Licht bei der Beleuchtung berücksichtigt werden müssen, dass Insekten Licht anders wahrnehmen als Menschen, warum Astronomen 1913 Berlin den Rücken gekehrt haben und vieles weiteres mehr.

Den Link zum Nachhören gibt es hier: https://www.quer-feld-ein.blog/episodes/querfeldein-podcast-folge-8-insektensterben-lichtverschmutzung-wann-ist-zu-viel-licht-ein-problem/

Viel Spaß wünscht das Team von AuBe!

Das AuBe Projekt bei „Achtung Artenvielfalt!“

Foto: GK, IGB. Logo: FEdA

Die zentrale Koordination der BMBF-Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung haben die bundesweite Aktionswoche „Achtung Artenvielfalt!“ ins Leben gerufen.

Zwischen dem 4. und 11. Oktober finden an verschiedenen Standorten Veranstaltungen rund ums Thema Artenvielfalt statt. Das AuBe Projekt beteiligt sich mit zwei Führungen.

Warum nennt man die Wirkung von Straßenleuchten auf Insekten „Staubsaugereffekt“? 

Die Antwort auf diese Frage und viele weitere spannende Informationen gibt es bei den Führungen am:

– Dienstag, 5. Oktober 2021. Start um 13:15 Uhr, Veranstaltungsort: Krakow am See, Schule

– Mittwoch, 6. Oktober 2021. Start jederzeit zwischen 12–16 Uhr, Veranstaltungsort: Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Müggelseedamm 301, 12587 Berlin

Wir bitten vorab um eine Anmeldung per E-Mail an aube@igb-berlin.de, damit alle Corona-Schutzmaßnahmen eingehalten werden können. Es gelten die 3G-Regeln. Sie benötigen eine Mund-Nase-Schutzmaske, einen negativen Antigen-Test und/oder ein Zertifikat über die Genesung bzw. eine zweifache Impfung. Bitte schreiben Sie in Ihrer Anmeldung, an welchem der beiden Termine Sie teilnehmen möchten.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Neue Veröffentlichung für den Schutz von Insekten und ihrer Vielfalt

Mögliche Ursachen für den Artenschwund – oft wird der Faktor künstliches Licht vergessen

Ausgeprägte Rückgänge der Anzahl und Artenvielfalt von Insekten wurden in den vergangenen Jahren für unterschiedliche Lebensräume in Deutschland, sowie in vielen anderen Teilen der Welt, dokumentiert. Zumeist werden der Klimawandel, Lebensraumverlust sowie die intensive Landwirtschaft mit ihrem Einsatz großer Mengen Dünge- und Pflanzenschutzmittel als Hauptgründe für das plakativ als „Insektensterben“ bezeichnete Phänomen angeführt. Ein weiterer Faktor, der in Diskussionen rund um die Insektenrückgänge regelmäßig erwähnt wird, aber bei weitem noch nicht so intensiv untersucht wurde, ist der Einfluss von übermäßigem künstlichem Licht oder „Lichtverschmutzung“ auf die Häufigkeit und Vielfalt von Insektenpopulationen.

Erschöpfte Nachtfalter an Wandleuchte in Namibia. Foto: Johanna Reinhard

Damit in zukünftigen Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Insektenrückgängen und zunehmender Lichtverschmutzung sowohl Lichtparameter als auch Insektendaten in einem optimiertem Zusammenspiel erfasst werden, haben wir in unserer aktuellen Veröffentlichung „Assessing long‐term effects of artificial light at night on insects: what is missing and how to get there“ die Literatur zum Thema gesichtet und Empfehlungen für wichtige Parameter in Studien zu Lichtverschmutzung und Langzeiteffekten auf Insekten zusammengestellt.

Die Auswirkungen durch Beleuchtung auf Insekten sind äußerst komplex – mehr Forschung wird dringend benötigt

Unsere Auswertungen der Literatur haben gezeigt, dass es inzwischen zwar etliche Studien gibt, die zeigen dass einzelne Arten wie zum Beispiel Leuchtkäfer („Glühwürmchen“) oder Nachtfalter unter Lichtverschmutzung leiden. Diese Studien zeigen, dass insbesondere einzelne biologische Aspekte wie das Paarungs- oder Ausbreitungsverhalten bestimmter Arten durch künstliches Licht massiv beeinträchtigt werden (z.B. Elgert et al. 2020). Studien, in denen in einem bestimmten Gebiet sowohl die Häufigkeiten als auch die Artenvielfalt von Insekten zusammen mit der Entwicklung der künstlichen Beleuchtung über einen längeren Zeitraum (mehrere Jahre oder Jahrzehnte) systematisch untersucht wurden bzw. werden, fehlen dahingegen weitgehend. Zwar gibt es einige wenige korrelative Auswertungen langjähriger Zeitreihen zu Biomasse und Häufigkeiten von Insekten bei gleichzeitig zunehmender künstlicher Beleuchtung die einen Zusammenhang nahe legen (z.B. Grubisic et al. 2018 oder  van Langevelde et al. 2018), allerdings beruht die Quantifizierung des Lichts in diesen Studien vorwiegend auf Satellitendaten. Derartige Analysen von Lichtverschmutzung die über Erdbeobachtungsdaten zustande kommen können zwar für ökologische und umweltwissenschaftliche Analysen sehr hilfreich sein, allerdings sind gerade für Insekten die konkreten, kleinräumigen Beleuchtungsbedingungen und Abstrahlwinkel vor Ort, die nicht aus dem All erfasst werden können, besonders relevant.

Ein orientierungsloser Lindenschwärmer (Mimas tiliae). Foto: Johanna Reinhard.

Langzeitstudien sind wichtig

In einer kürzlich veröffentlichten Studie von van Grunsven und Kollegen (siehe dazu auch unseren Blogbeitrag vom 3. Juli 2020) mit mehrjähriger Messreihe von Nachtfaltern die unter kontrollierten Lichtbedingungen erhoben wurden, konnten niederländische Kollegen zeigen, dass man negative Auswirkungen künstlicher Beleuchtung auf Nachtfalterpopulationen erst nach mehreren Jahren messen kann. Weitere derartige Studien wären dringend nötig, um besser zu verstehen, was die längerfristigen Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf Insektenpopulationen sind. Insbesondere müsste man Insekten systematisch über mehrere Jahre beproben, um natürliche Schwankungen der Populationsgrößen berücksichtigen zu können. Gleichzeitig wäre es wichtig, dass die Erfassung und Quantifizierung von Licht im Umfeld solcher Studien an die Sinneswahrnehmung von Insekten angepasst wird, indem man etwa nicht nur das für Menschen sichtbare Licht bewertet. Viele dieser Bedingungen sind in den aktuell verfügbaren Studien rund um Insekten und Lichtverschmutzung nicht oder nur unzureichend erfüllt und wir hoffen unsere Studie kann einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Datenlage auf diesem Gebiet in den kommenden Jahren verbessert.

Untersuchungen zum Schutz von Insekten durch innovative Beleuchtungslösungen. Foto: Johanna Reinhard

Die Open Access Studie ist im Fachjournal Insect Conservation and Diversity erschienen:

Kalinkat, G., Grubisic, M., Jechow, A., van Grunsven, R.H.A., Schroer, S. and Hölker, F. (2021), Assessing long‐term effects of artificial light at night on insects: what is missing and how to get there. Insect Conserv Divers, 14: 260-270.