Aktuelles

Empfohlen

Online-Befragung

Künstliches Licht in der Nacht – Was bedeutet das für unser Wohlbefinden?

In unserem mehrjährigen Forschungsprojekt wird untersucht, welche Zusammenhänge es zwischen nächtlicher Dunkelheit oder Helligkeit und dem Verhalten von Mensch und Natur gibt. Die Modellgebiete sind das nördliche und westliche Brandenburg (Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Prignitz & Havelland), das südliche Mecklenburg (Güstrow, Parchim & Müritz) und das hessische Fulda.
Wir laden die Bewohner*innen dieser Regionen ein, an einer Online-Befragung teilzunehmen: Mehr Information gibt es hier: https://www.tatort-strassenbeleuchtung.de/mitforschen/online-befragung-licht-in-der-nacht/

Die vollständig anonyme Online-Befragung ist ab dem 18. März bis zum 30. April 2021 freigeschaltet. Die Teilnahme dauert insgesamt etwa 10 Minuten.


Neue Veröffentlichung für den Schutz von Insekten und ihrer Vielfalt

Mögliche Ursachen für den Artenschwund – oft wird der Faktor künstliches Licht vergessen

Ausgeprägte Rückgänge der Anzahl und Artenvielfalt von Insekten wurden in den vergangenen Jahren für unterschiedliche Lebensräume in Deutschland, sowie in vielen anderen Teilen der Welt, dokumentiert. Zumeist werden der Klimawandel, Lebensraumverlust sowie die intensive Landwirtschaft mit ihrem Einsatz großer Mengen Dünge- und Pflanzenschutzmittel als Hauptgründe für das plakativ als „Insektensterben“ bezeichnete Phänomen angeführt. Ein weiterer Faktor, der in Diskussionen rund um die Insektenrückgänge regelmäßig erwähnt wird, aber bei weitem noch nicht so intensiv untersucht wurde, ist der Einfluss von übermäßigem künstlichem Licht oder „Lichtverschmutzung“ auf die Häufigkeit und Vielfalt von Insektenpopulationen.

Erschöpfte Nachtfalter an Wandleuchte in Namibia. Foto: Johanna Reinhard

Damit in zukünftigen Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Insektenrückgängen und zunehmender Lichtverschmutzung sowohl Lichtparameter als auch Insektendaten in einem optimiertem Zusammenspiel erfasst werden, haben wir in unserer aktuellen Veröffentlichung „Assessing long‐term effects of artificial light at night on insects: what is missing and how to get there“ die Literatur zum Thema gesichtet und Empfehlungen für wichtige Parameter in Studien zu Lichtverschmutzung und Langzeiteffekten auf Insekten zusammengestellt.

Die Auswirkungen durch Beleuchtung auf Insekten sind äußerst komplex – mehr Forschung wird dringend benötigt

Unsere Auswertungen der Literatur haben gezeigt, dass es inzwischen zwar etliche Studien gibt, die zeigen dass einzelne Arten wie zum Beispiel Leuchtkäfer („Glühwürmchen“) oder Nachtfalter unter Lichtverschmutzung leiden. Diese Studien zeigen, dass insbesondere einzelne biologische Aspekte wie das Paarungs- oder Ausbreitungsverhalten bestimmter Arten durch künstliches Licht massiv beeinträchtigt werden (z.B. Elgert et al. 2020). Studien, in denen in einem bestimmten Gebiet sowohl die Häufigkeiten als auch die Artenvielfalt von Insekten zusammen mit der Entwicklung der künstlichen Beleuchtung über einen längeren Zeitraum (mehrere Jahre oder Jahrzehnte) systematisch untersucht wurden bzw. werden, fehlen dahingegen weitgehend. Zwar gibt es einige wenige korrelative Auswertungen langjähriger Zeitreihen zu Biomasse und Häufigkeiten von Insekten bei gleichzeitig zunehmender künstlicher Beleuchtung die einen Zusammenhang nahe legen (z.B. Grubisic et al. 2018 oder  van Langevelde et al. 2018), allerdings beruht die Quantifizierung des Lichts in diesen Studien vorwiegend auf Satellitendaten. Derartige Analysen von Lichtverschmutzung die über Erdbeobachtungsdaten zustande kommen können zwar für ökologische und umweltwissenschaftliche Analysen sehr hilfreich sein, allerdings sind gerade für Insekten die konkreten, kleinräumigen Beleuchtungsbedingungen und Abstrahlwinkel vor Ort, die nicht aus dem All erfasst werden können, besonders relevant.

Ein orientierungsloser Lindenschwärmer (Mimas tiliae). Foto: Johanna Reinhard.

Langzeitstudien sind wichtig

In einer kürzlich veröffentlichten Studie von van Grunsven und Kollegen (siehe dazu auch unseren Blogbeitrag vom 3. Juli 2020) mit mehrjähriger Messreihe von Nachtfaltern die unter kontrollierten Lichtbedingungen erhoben wurden, konnten niederländische Kollegen zeigen, dass man negative Auswirkungen künstlicher Beleuchtung auf Nachtfalterpopulationen erst nach mehreren Jahren messen kann. Weitere derartige Studien wären dringend nötig, um besser zu verstehen, was die längerfristigen Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf Insektenpopulationen sind. Insbesondere müsste man Insekten systematisch über mehrere Jahre beproben, um natürliche Schwankungen der Populationsgrößen berücksichtigen zu können. Gleichzeitig wäre es wichtig, dass die Erfassung und Quantifizierung von Licht im Umfeld solcher Studien an die Sinneswahrnehmung von Insekten angepasst wird, indem man etwa nicht nur das für Menschen sichtbare Licht bewertet. Viele dieser Bedingungen sind in den aktuell verfügbaren Studien rund um Insekten und Lichtverschmutzung nicht oder nur unzureichend erfüllt und wir hoffen unsere Studie kann einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Datenlage auf diesem Gebiet in den kommenden Jahren verbessert.

Untersuchungen zum Schutz von Insekten durch innovative Beleuchtungslösungen. Foto: Johanna Reinhard

Die Open Access Studie ist im Fachjournal Insect Conservation and Diversity erschienen:

Kalinkat, G., Grubisic, M., Jechow, A., van Grunsven, R.H.A., Schroer, S. and Hölker, F. (2021), Assessing long‐term effects of artificial light at night on insects: what is missing and how to get there. Insect Conserv Divers, 14: 260-270.

Brauner Bär ist Schmetterling des Jahres 2021

Warum? Weil er sehr gefährdet ist in seinen Bedürfnissen. Er ist nachtaktiv, benötigt Widlkräuter und Hecken. Er lebt in kühl-gemäßigten Zonen auf der Nordhalbkugel in Europa von der Iberischen Halbinsel über West- und Mitteleuropa bis nach Ostasien, aber auch in Nordamerika. Sein Lebensraum wird durch Bebauung, Landwirtschaft und Lichtverschmutzung immer geringer. Wie sehr er allein durch Lichtverschmutzung eingegrenzt wird, zeigt die Karte unten.

Daten für Himmelselligkeit im Zenit in Magnituden pro Bogensekunden aus dem Weltatlas für Lichtverschmutzung 2015. Quelle: https://www.lightpollutionmap.info

Der BUND hat deshalb den Braunen Bär als Schmetterling des Jahres 2021 gewählt.

Arctia caja, der Braune Bär, der Grote Beer (NL) oder die Garden Tiger Moth (UK). Wurde 1758 von Linneaus beschrieben. Heute ist er auf der Vorwarnliste für bedrohte Arten. Lasst uns ihm mehr Aufmerksamkeit schenken im kommenden Jahr! Er wird ab Juni fliegen und kann durch Lichter gestört werden. Wir können Lichter ausschalten, wenn wir sie nicht benötigen, die Abstrahlung abschirmen und die Beleuchtungsstärke regulieren. Alle diese Maßnahmen sind beschrieben im Handlungsleitfaden für Außenbeleuchtung des Bundesamtes für Naturschutz. Bitte helfen Sie mit, unseren Schmetterling des Jahres zu schützen!

Wünsch dir was!

Wer sich zur Weihnachtszeit durch natürliche Himmelslichter in Stimmung bringen möchte, findet in diesem Jahr beste Vorraussetzungen.

In den nächsten zwei Wochen funkelt ein wunderschöner Sternschnuppen-Schauer, der seinen Höhepunkt in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember finden wird. Ein Tipp fürs Wochenende: Ein Abend- oder Nachtspaziergang in einer der Sternenparks. Aber auch anderen Orts wird der Meteoritenschauer gut zu sehen sein, denn er findet dieses Jahr zu Neumond statt. Also Licht aus und Sterne beobachten! – Manche Sternenschnuppenwünsche sollen ja in Erfüllung gehen.

Und wer die Germiniden mitte Dezember verpasst, könnte vielleicht die eine oder andere Weihnachtsschnuppe beobachten. Die Ursiden erscheinen vom 21.-26.12. in geringerer Zahl als die Germiniden, dafür aber mit hoher Strahlkraft, denn auch sie werden ungestört durch Mondlicht den Himmel erhellen.

Am 21. Dezember wird uns ein weiteres Himmelsphänomen geschenkt: Dann überholt Jupiter auf seiner Bahn Saturn. Durch diese Nähe werden die beiden Himmelslichter zu einem Objekt verschmelzen, ähnlich dem sagenumwobenen Weihnachtsstern. Am Abend des 21. Dezembers gegen 18 Uhr in Richtung Südwesten wird dieses Phänomen zu genießen sein, allerdings sehr nah am Horizont, man sollte also ein freies Feld oder eine Anhöhe aufsuchen.

Besinnliche Weihnacht!

Meteorit von Jacek Halicki (CC BY-SA 4.0) Wikimedia Commons

Tatort Straßenbeleuchtung wurde als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet

Wählen Sie jetzt AuBe / Tatort Straßenbeleuchtung als UN-Dekaden Projekt des Monats!

Als erstes und bisher einzigartiges Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt setzt sich Tatort Straßenbeleuchtung für die Biodiversität durch Maßnahmen einer insektenfreundlichen Beleuchtung ein. Wir bitten Dich / Sie ein Zeichen zu setzen und diesem Ansatz mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Bitte wählen Sie unser Projekt „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ kurz „Tatort Straßenbeleuchtung“ als Projekt des Monats: https://www.undekade-biologischevielfalt.de/projekte/projekt-des-monats-waehlen/

Vielen Dank für Deine / Ihre Unterstützung!

Am 30. Oktober wurde dem Projekt „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ der Titel „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ durch den Landrat des Landkreises Oberhavel, Herrn Ludger Weskamp, verliehen. Die Preisverleihung fand im Stechlinsee Center in Neuglobsow statt und wurde online übertragen. Im Programm erläuterten Forschende die vielfältigen Aspekte des Themas „Lichtverschmutzung und umweltverträgliche Beleuchtung“ und zeigten auf, wie Bürger*innen aktiv zum Schutz der Nacht beitragen können. Die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Prof. Dr. Beate Jessel, wurde mit einem Vortrag zu „Aktivitäten und Handlungsempfehlungen zur Lichtverschmutzung aus der Bundessicht“ online zugeschaltet. Ein Sternenerlebnis mit Audioguide, leider aufgrund des schlechten Wetters im Innenbereich, rundete den Abend ab.

Verlust der Nacht Zukunftswerkstatt Citizen Science in Fulda

Die Zukunftswerkstatt in Fulda bietet eine kurze Einführung in das Thema Lichtverschmutzung, eine Vorstellung des AuBe-Projekts  und Diskussionen zur Umsetzungen der Licht Richtlinie (LiRiLi) Fuldas. Die Teilnehmer können selbst erarbeiten, was die Stadt, Unternehmen oder sie selbst als Privatpersonen weiterhin gegen den Verlust der Nacht zum Schutz der Umwelt tun können. Hierzu kann das Licht von Straßenlaternen spektroskopisch untersucht, die Himmelshelligkeit durch Apps & Photometer bestimmt werden oder die Teilnehmer beschäftigen sich mit der Vermessung von Leuchtpunkten im und um das Umweltzentrum.

Die Veranstaltung ist kostenfrei

Anmeldungen : Umweltzentrum & Gartenkultur, Fulda e.V., Johannisstraße 44, 36041 Fulda, Tel.: 0661/ 970 97 90, E-Mail: charis.dittmar@fulda.de

Auftaktveranstaltung am 30.10.20 im Stechlinsee Center

Wir laden alle Bürgerinnen und Bürger der Projektgebiete herzlich zu unserer Auftaktveranstaltung ein. Es wird genügend Platz für die Anwesenden geben, um das Risiko einer Corona-Infektion gering zu halten. Dafür wird aber die Teilnehmerzahl begrenzt werden müssen. Es wird außerdem die Möglichkeit geben, die Veranstaltung online mit zu verfolgen und mit uns zu diskutieren. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Für das Catering wird ein Unkostenbeitrag erbeten.

Bitte melden Sie sich bis 28.10.20 an, mit Nennung Ihres Namens und ob Sie vor Ort oder online teilnehmen möchten: aube@igb-berlin.de

30 Jahre Naturpark Nossentiner/ Schwinzer Heide

Im September 2020 wird der Naturpark Nossentiner/ Schwinzer Heide 30 Jahre alt. Er wurde am 24. September 1990 im Rahmen des Nationalparkprogramms gegründet und ist damit einer der ältesten Naturparke Ostdeutschlands. Ein Jahr später wurde der Förderverein des Naturparks gegründet.

In erster Linie ist der Förderverein Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide e.V. ein zuverlässiger Partner für die Leitung des Naturparks, für weitere hier agierende Vereine und Verbände sowie für die Ämter und Gemeinden der Region. Er setzt sich im Rahmen seiner Möglichkeiten für eine umweltverträgliche Flächennutzung durch die Land-, Forst-, Wasser- und Fischereiwirtschaft ein. Bürgerwissenschaftliches Engagement wird hier sehr stark gefördert. Zum Beispiel wird das Vorkommen von Fledermäusen kontinuierlich überprüft und wissenschaftliche Arbeiten gemeinsam durchgeführt. Natürlich ist auch das Vorkommen der Fledermausnahrung von sehr gr0ßem Interesse für die Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftler und daher hat das AuBe-Projekt mit dem Förderverein Nossentiner/Schwinzer Heide e.V. einen sehr starken Partner gefunden.

Bürgerwissenschaften in Zeiten der Corona-Prävention

2020 – ein denkbar ungünstiges Jahr um ein Projekt zu starten, dass durch Bürgerwissenschaften getragen werden soll. Trotzdem möchten wir ein paar Einblicke in den wachsenden Kreis der Beteiligten zeigen und dass wir in kleinen Kreisen trotzdem viel Spaß an der Wissenschaft haben. Die Insektenmonitorings des AuBe-Projekts werden von immer mehr Menschen besucht und unterstützt. Wer Lust hat mit zu machen, findet die Daten für die nächsten Untersuchungen rechts unter „nächste Veranstaltungen“ und hier die Kontakte für eine Anmeldung. Mehr Informationen über unser Experimentalfeld bietet dieser Zeit-online Artikel von Maria Mast „Warum die Motte ins Licht fliegt“.

Die Auswirkungen durch künstliches Licht sind schleichend, sie fordern neue Umweltschutzstrategien

Zwei neue Artikel in der Fachzeitschrift Current Biology weisen darauf hin, dass künstliche Lichtemissionen in der Nacht negative Auswirkungen auf eine Vielzahl von Organismen haben können.

Photo: Alession (Pixabay license)

Das Team um Dr. Thomas Davies, Dozent für Meeresschutz an der Universität von Plymouth (Großbritannien), zeigen in ihrem Artikel „Artificial skyglow disrupts celestial migration at night“ , dass die Lichtverschmutzung, die von Küstenstädten ausgeht, viele marine Arten beeinflussen kann. Dabei sind sowohl solche Arten betroffen, die Strände oder felsige Küsten bewohnen aber auch Organismen auf dem Meeresboden. Die Autoren weisen in ihrem Artikel darauf hin, dass die Ergebnisse auch auf andere Arten übertragbar sein können, die Himmelslichter, wie Sterne und Mond als Orientierungshilfe für ihre Navigation nutzen.

Die zweite Veröffentlichung „Experimental light at night has a negative long-term impact on macro-moth populations“ unter der Federführung von Roy van Grunsven, Ökologe der Niederländischen Schmetterling-Stiftung (Vlinderstichting), zeigt, dass die Auswirkungen durch Straßenlicht auf Nachtfalterpopulationen in den ersten 1-2 Jahren nicht unbedingt bedeutend sind. Erst in der Auswertung der Langzeiteffekte über 5 Jahre wurden die negativen Auswirkungen durch die künstliche Beleuchtung deutlich. Die Populationen der Nachtfalter, wichtige Bestäuber unserer Wildblumen, nahmen rund um die Straßenbeleuchtung ab. Die negativen Auswirkungen auf die Insektenpopulationen können nur durch das Ausschalten des Lichtes vermindert werden, während durch die Wahl unterschiedlicher Lichtfarben der Verlust an Nachtfaltern nicht ausreichend reduziert werden konnte.

Diese Forschungsergebnisse zeigen, dass die negativen Auswirkungen durch künstliche Beleuchtung nicht anhand von direkten Zahlen der Mortalität zu erklären sind, sondern neue Strategien für die Bewertung der Beeinträchtigung benötigen. Ein Artikel aus unserer ArbeitsgruppeWorking with Inadequate Tools: Legislative Shortcomings in Protection against Ecological Effects of Artificial Light at Night“ weist auf die Lücken des Umweltschutzgesetzes bezüglich der Auswirkungen künstlichen Lichts auf Organismen und deren Lebensräume hin. Wir fordern in diesem Artikel eine Verstärkung der Regulierungen bezüglich des Schutzes von Organismen und Lebensräumen gegen die negativen Auswirkungen durch künstliches Licht in der Nacht.