Ergebnisse der online-Umfrage

Online-Befragung: Künstliches Licht in der Nacht – Was bedeutet das für unser Wohlbefinden?

Erste Ergebnisse einer Umfrage für die Region Fulda

Wie erleben Menschen künstliches Licht in der Nacht? Wie wirkt es sich auf das Wohlbefinden aus? Wie erleben sie den Nachthimmel und die nächtliche Dunkelheit oder Helligkeit? Diese Fragen wurden in einer Online-Befragung vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und PSY:PLAN, Institut für Architektur und Umweltpsychologie, gestellt.

In dem mehrjährigen Forschungsprojekt Artenschutz durch umweltverträgkiche Beleuchtung (AuBe) wird untersucht, welche Zusammenhänge es zwischen nächtlicher Dunkelheit oder Helligkeit und dem Verhalten von Mensch und Natur gibt. Die Modellgebiete sind das nördliche und westliche Brandenburg, das südliche Mecklenburg und das hessische Fulda. Dort ist es nachts noch so dunkel, dass eine Sternenbeobachtung und das Erleben der natürlichen Dunkelheit möglich sind.

Vom 18. März bis 30. April 2021 fand in diesen Regionen eine erste Online-Umfrage statt. Sie wurde in zwei Wellen über Pressemitteilungen an rund 180 Kontakte unterschiedlicher Medientypen versendet, an diverse Newsletter und Interessengruppen weitergeleitet und über Plakate in den Partnerkommunen beworben. Die Beteiligung an der Umfrage blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. Auf den Fragebogen griffen zwar 166 Personen zu, aber es konnten insgesamt nur 94 gültige Datensätze in die Auswertung aufgenommen.

Die große Mehrheit der Datensätze stammt aus der Stadt Fulda und umliegenden Landkreisen (= 64 an der Zahl). Die folgenden Ergebnisse beziehen sich nur auf diese Teilstichprobe und sind aufgrund der geringen Teilnahme auch für diese Region nicht repräsentativ.

Von diesen 64 Personen wohnen 44 in Fulda sowie den umliegenden Landkreisen Bad Kissingen (7), Röhn-Grabfeld a.d.S. (4), Wartburgkreis (7) und Main-Kinzig (2). Im Schnitt waren sie 45 Jahre alt. Die meisten schreiben sich selbst eine mittelstarke bis starke „Naturverbundenheit“ zu. Befragt nach ihren Vorlieben bevorzugen 41% der Teilnehmenden die Winter-/Normalzeit, 35% die Sommerzeit, die anderen 24% haben keine Präferenz. Für mehr als die Hälfte war beim nächtlichen Blick aus dem Schlafzimmerfenster (bei ausgeschaltetem Licht im eigenen Zimmer) Licht aus Innenräumen anderer Gebäude (für 58%) sowie die Straßenbeleuchtung sichtbar (für 55%) – letztere war für 67% der Teilnehmenden das hellste sichtbare Licht. Weiter wurden in nennenswertem Umfang auch Hof-, Garten- oder Balkonbeleuchtung von Nachbarn (von 39% der Teilnehmenden) Autos (ebenfalls von 39%) und undefinierbare Lichtwolken aus städtischem Gebiet (von 25%) dokumentiert. Dieses in das eigene Schlafzimmer einfallende Licht war für 21% so hell, dass sie einen Text ohne zusätzliches Licht lesen konnten. Bei 27% war das schwierig, bei 52% überhaupt nicht möglich. Die Helligkeit am Wohnort wurde zusätzlich über einen Nachthimmel-Helligkeits-Wert erfasst, der über eine Karte ermittelt werden musste (https://www.lightpollutionmap.info). Die berichteten VIIRS 2020-Werte reichten von 0,1 bis maximal 60 (zwei Personen), wobei die meisten Teilnehmenden eine Helligkeit von unter 10 angaben. Im Schnitt lag die Nachthimmel-Helligkeit bei sehr niedrigen 6,2 (Standardabweichung 11,74).

Anschließend konnten die Befragten zu 13 Aussagen den Grad ihrer Zustimmung auf einer sechsstufigen Skala ausdrücken. Sieben Aussagen erhielten die höchste Zustimmung (Mittelwerte zwischen 5,55 und 5,81). Die Befragten erkennen die negativen Auswirkungen von Lichtverschmutzung für nachtaktive Tiere und Insekten eindeutig an. Sie unterstützen, dass Regionen mit natürlicher Dunkelheit geschützt werden, z.B. als Lichtschutzgebiet oder Sternenpark. Und es ist ihnen selbst wichtig, den Nachthimmel in natürlicher Dunkelheit beobachten zu können. Ihrer Meinung nach sollten kommerzielle nächtliche Beleuchtung stärker reguliert werden, z.B. weniger Licht-Werbung, Beleuchtung von Geschäften, die Zustimmung zur Regulierung privater nächtlicher Beleuchtung fällt demgegenüber geringfügig schwächer aus (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Grad der Zustimmung zu Aussagen; N = 54-63; Mittelwerte einer 6-stufigen Skala (1= stimme gar nicht zu, 6 = stimme voll und ganz zu)

Befragt nach der Vertrautheit mit Begriffen und Phänomenen zeigte sich, dass „Insektensterben“ (100 %), „Lichtverschmutzung“ (98,4 %), „Sternenpark“ (95,3 %) allen bekannt sind. Rund die Hälfte der Befragten kennen die Begriffe „Lichtschutzgebiet“ (58,7% sind sich sicher was das ist, 30,2% sind sich nicht sicher) und Nachthimmels-Helligkeit (50,8%/31,8%). Die beiden – an sich synonymen Begriffe „Bürgerwissenschaft“ und Citizen Science waren demgegenüber 50% bzw. 57% der Personen unbekannt.

97% haben nach eigenen Aussagen in den letzten drei Jahren den nächtlichen Sternenhimmel bewusst beobachtet, knapp 60% auch nachtaktive Tiere bewusst beobachtet und zur Thematik Fernsehsendungen gesehen (50%; siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Anteil an Aktivitäten in den letzten 3 Jahren; N = 64; Prozentangaben

Diese Ergebnisse lassen (leider) aufgrund der schon erwähnten geringen Stichprobengröße keine weiteren Interpretationen zu – und auch keine Vergleiche zwischen den Regionen. Das Team überlegt derzeit, ob die Befragung im kommenden Herbst wiederholt werden sollte.